Glaubenslehre des

Heiligen Robert Bellarmin

 Der Heilige Robert Bellarmin ist mehrmals in Sievernich erschienen.

 

Aus seinem Katechismus.

 

Kurze christliche Lehre,

zum Auswendiglernen geeignet

 

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Im Auftrag von Papst Clemens VIII.1

1 Text übersetzt nach: Robertus Bellarminus, Opera omnia. Hg. von Justin Fevre. 12 Bde., Paris 1874, XII, 256-282 (= 00). - Diese Ausgabe enthält auch verschiedene Gebete und Gesänge sowie eine Anleitung zum Ministrieren, die hier nicht übersetzt sind und die wohl insgesamt oder teilweise erst aus späterer Zeit stammen.

 

Einleitung

Beim Unterricht in der christlichen Lehre für einfache Menschen muss man auf zweierlei achten, die Notwendigkeit und die Fassungskraft. Aufgrund der Notwendigkeit muss man wenigstens vier Punkte in den Unterricht einbeziehen: Zunächst das Glaubensbekenntnis, um das zu wissen, was man glauben muss. Sodann das Vater Unser mit dem Englischen Gruß, um das zu wissen, was man hoffen muss und zu wem man Zuflucht nehmen muss, um es zu erlangen. Allerdings soll dadurch der Brauch nicht verworfen werden, die Kinder zuerst das Vater Unser mit dem „Gegrüßet seist du, Maria" vor dem Glaubensbekenntnis zu lehren, weil dieses schwierig und länger ist. Drittens die zehn Gebote Gottes zusammen mit den Kirchengeboten, die alle angehen, um das zu kennen, was man entsprechend der Liebe zu Gott und dem Nächsten tun muss. Schließlich die sieben Sakramente, die die Werkzeuge darstellen, die Gott dazu eingesetzt hat, die Gnade und die himmlischen Gaben zu erwerben, zu bewahren und wachsen zu lassen, insbesondere die göttlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe zusammen mit der Vergebung der Sünden. Deshalb ist der Katechismus, der auf Anordnung des heiligen Konzils von Trient verfertigt wurde, zweifellos der authentischste. Dennoch ist es wohl nützlich, einiges (allerdings Weniges und Einfaches) hinzuzufügen, so die hauptsächlichen Tugenden, die die Quelle jedes guten Werkes darstellen, und die sieben Hauptkunden, die die Quelle aller Sünden sind; des weiteren die Werke der Barmherzigkeit, die Gott überaus wohlgefällig sind, und die Sünden, die ihm zuhöchst missfallen und über die die Schrift sagt, dass sie im Himmel nach Rache schreien; die evangelischen Räte; die vier letzten Dinge; die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes.

Die anderen Punkte kann man vielleicht übergehen. Denn sie sind entweder zu schwierig, so etwa die elf Leidenschaften und ähnliches. Oder sie sind zu bekannt und daher überflüssig, so die fünf Sinne des Leibes, die drei Seelenkräfte usw. Oder sie sind von nur geringem Nutzen, belasten bloß das Gedächtnis, und selbst Gelehrte kennen sie nicht in ihrer richtigen Reihenfolge, etwa die zwölf Früchte des Heiligen Geistes, die acht Seligkeiten usw. Oder das, was Kinder und einfache Menschen auswendig lernen sollen, ist etwas anderes als das, was die wissen sollten, die die christliche Lehre solcherart ungebildeten Leuten erläutern sollen. Aus diesen Gründen schreiben wir jetzt zuerst all das nieder, was man mit einer kurzen Erläuterung auswendig lernen soll, danach eine umfangreichere Erläuterung für die, welche die christliche Lehre unterrichten. Letztere soll jedoch der Fassungskraft der einfachen Menschen angemessen sein.

 

Gebet zu Beginn der Unterrichtsstunde in der christlichen Lehre

„Actiones nostras, quaesumus, Domine, aspirando praeveni, et adjuvando prosequere, ut cuncta nostra oratio, et operatio a te semper incipiat, et per te coepta finiatur. Per Christum Dominum nostrum. R.: Amen."

„Komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor, Herr, und begleite es mit deiner Hilfe, damit alles, was wir beten und tun, bei dir seinen Anfang nehme und durch dich vollendet werde. Durch Christus, unseren Herrn. (Alle:) Amen."

 

Zum Schluss

„Agimus tibi gratias, omnipotens Deus, pro universis beneficiis tuis, qui vivis, et regnas in saecula saeculorum. R. Amen."

„Wir sagen dir Dank, allmächtiger Gott, für alle deine Gaben, der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. (Alle:) Amen."

 

Das Ziel des Christen und das heilige Kreuzzeichen

Lehrer (L):    Seid Ihr ein Christ?

Schüler (S): Ja, mit der Gnade Gottes.

L: Was bedeutet „ein Christ"?

S:  Einer, der den Glauben und das Gebot Christi bekennt.

L: Worin besteht der Glaube Christi hauptsächlich?

S: In zwei Grundgeheimnissen, die im heiligen t Kreuzzeichen enthalten sind: die Dreieinigkeit Gottes sowie die Menschwerdung und der Tod unseres Heilandes.

L: Was bedeutet die Dreieinigkeit Gottes?

S:  Dass es in Gott eine einzige Gottheit gibt. Wir sprechen dabei auch von einem göttlichen Wesen oder einer Natur. Die Gottheit ist aber in drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist mit Namen.

L: Warum sind es drei Personen?

S: Weil der Vater keinen Ursprung hat und aus keiner anderen Person hervorgeht, weil der Sohn aus dem Vater hervorgeht und weil der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.

L: Warum sind diese drei Personen ein einziger Gott?

S: Weil sie dasselbe Wesen, dieselbe Macht, dieselbe Weisheit und dieselbe Güte haben.

L: Was bedeutet die Menschwerdung und der Tod unseres Heilandes?

S: Dass der Sohn Gottes, also die zweite Person der allerseligsten Dreifaltigkeit, Mensch geworden ist und am Kreuz zu unserer Erlösung gestorben ist.

L: Wie sind diese beiden Geheimnisse im heiligen V Kreuzzeichen enthalten?

S: Weil man das heilige Kreuzzeichen so macht: Zuerst führt man die rechte Hand zur Stirn und sagt: „Im Namen des Vaters", dann an die Brust mit den Worten „und des Sohnes", schließlich von der linken zur rechten Seite mit den Worten „und des Heiligen Geistes. Amen."

L: Wie zeigt sich darin also das erste Geheimnis, das der allerseligsten Dreifaltigkeit?

S: Weil das Wort „im Namen" die Einheit bedeutet und die übrigen Worte die Dreifaltigkeit.

L: Zeigt Ihr jetzt auch das zweite Geheimnis?

S: Das Aussehen des V Kreuzzeichens stellt den Tod des Heilands vor Augen. Er wurde Mensch, zeigte mit Lehren, Beispielen und Wundern den Weg zum Heil und starb schließlich am heiligen Holz des Kreuzes.

 

Erklärung des Glaubensbekenntnisses

L: Worin besteht die Regel des Glaubens?

S: Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, einfacher auch „Credo" genannt.

L: Sagt das Credo auf!

S:    1. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

2.  Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.

3.  Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.

4.  Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.

5.  Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten.

6.  Aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters.

7.  Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

8.  Ich glaube an den Heiligen Geist.

9.  Die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen.

10.  Vergebung der Sünden.

11.  Auferstehung der Toten.

12.  Und das ewige Leben. Amen.

L: Wer hat das Credo verfasst?

S: Die zwölf Apostel. Deshalb sind es auch zwölf Artikel.

L: Was enthalten diese zwölf Artikel insgesamt?

S: Alles, was man hauptsächlich und ausdrücklich von Gott und von der Kir­che, seiner Braut, zu glauben hat. Denn die ersten acht Artikel beziehen sich auf Gott, die vier letzten auf die Kirche.

L: Erklärt Ihr den ersten Artikel?

S: Ich glaube fest an einen einzigen Gott. Er ist seiner Natur nach Vater seines eingeborenen Sohnes und zudem aus Gnade Vater aller guten Christen, denn sie heißen seine angenommenen Söhne. Drittens ist er durch die Schöpfung Vater aller übrigen Dinge. Dieser Gott nun ist allmächtig, weil er alles tun kann, was er will und weil er Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen hat zusammen mit allem, was sich in ihnen findet, also das gesamte Weltall.

L: Erklärt Ihr den zweiten Artikel?

S:  Ich glaube ebenso an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, des Vaters, denn er ist in Ewigkeit aus dem Vater gezeugt worden und ist selbst wie der Vater ewig, unendlich, allmächtig, Schöpfer, unser Herr und der Herr aller Dinge.

L: Erklärt Ihr den dritten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus nicht nur wahrer Gott ist, sondern auch wahrer Mensch. Denn er hat durch die Kraft des Heiligen Geistes aus der unbefleckten Jungfrau Maria Fleisch angenommen.

Auf diese Weise wurde er auf Erden von einer Mutter ohne Vater geboren, so wie im Himmel von einem Vater ohne Mutter.

L: Erklärt Ihr den vierten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus die Welt mit seinem kostbaren Blut erlösen wollte und dafür unter Pontius Pilatus, dem Herrscher über Judäa, gelitten hat. Dabei wurde er gegeißelt, mit Dornen gekrönt und ans Kreuz geschlagen. Daran starb er, von ihm wurde er abgenommen und in einem neuen Grab beigesetzt.

L: Erklärt Ihr den fünften Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus im gleichen Augenblick, als er gestorben war, mit seiner Seele in das Totenreich der heiligen Vorväter ging und am dritten Tag, dem Sonntag, glorreich und siegreich auferstand.

L: Erklärt Ihr den sechsten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus 40 Tage mit den heiligen Aposteln zusammen war, um durch viele Erscheinungen seine wahrhafte Auferstehung zu beweisen.

Danach fuhr er in den höchsten Himmel auf.

Dort sitzt er als Herrscher und Lenker aller Geschöpfe über allen Engeln zur Rechten des Vaters in einer Herrlichkeit, die dem Vater gleich ist.

L: Erklärt Ihr den siebten Artikel?

S: Ich glaube, dass unser Herr am Ende der Welt vom Himmel in größter Macht und Herrlichkeit kommen wird. Er wird alle Menschen richten und dabei jedem den Lohn oder die Strafe geben, die er verdient hat.

L: Erklärt Ihr den achten Artikel?

S:  Ich glaube an den Heiligen Geist. Er ist die dritte Person der allerseligsten Dreifaltigkeit und geht vom Vater und vom Sohn aus. Er ist in allem dem Vater und dem Sohn gleich, und so ist er ewiger, unendlicher, allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr aller Dinge wie der Vater und der Sohn.

L: Erklärt Ihr den neunten Artikel?

S:  Ich glaube ebenso, dass es eine einzige Kirche gibt. Sie ist die Versammlung aller Christgläubigen, die getauft sind, den Glauben an Christus, unseren Herrn, annehmen und bekennen und den Papst in Rom als Stellvertreter Christi auf Erden anerkennen.

L: Warum nennt diese Kirche sich heilig und katholisch?

S: Heilig, weil sie den heiligen Christus zum Haupt hat, weil sie viele heilige Glieder besitzt sowie den heiligen Glauben, das heilige Gesetz und die heiligen Sakramente. Sie heißt katholisch, sie ist nämlich überall.

L: Was bedeutet „Gemeinschaft der Heiligen"?

S: Sie meint die Zuwendung der Gebete und der guten Werke, die in dieser Kirche verrichtet werden, ganz wie am Gut eines einzelnen Gliedes im menschlichen Leib alle übrigen Glieder Anteil haben.

L: Erklärt Ihr den zehnten Artikel?

S: Ich glaube, dass es in der heiligen Kirche eine wirkliche Vergebung der Sünden durch die heiligen Sakramente gibt und dass die Menschen in Ihr aus Kindern des Teufels, die zur Hölle verurteilt sind, zu Kindern Gottes und Erben des Paradieses werden.

L: Erklärt Ihr den elften Artikel?

S: Ich glaube, dass am Ende der Welt alle Menschen auferstehen sollen. Dabei werden sie dieselben Leiber annehmen, die sie zuvor gehabt haben. Das geschieht in der Kraft Gottes, dem kein Ding unmöglich ist.

L: Erklärt Ihr den zwölften Artikel?

S:  Ich glaube, dass es für die guten Christen ein ewiges Leben voll Glück jeder Art und frei von jeglichem Übel gibt. Ebenso gibt es umgekehrt für die Ungläubigen und für die bösen Christen den ewigen Tod voll von Elend jeder Art und ohne irgendein Gut.

L: Was bedeutet „Amen"?

S: Es bedeutet: So ist es wirklich.

 

Erklärung des Vater Unser und des „Gegrüßet seist du, Maria"

L: Wir haben schon von dem gesprochen, was man glauben muss. Nun wollen wir schauen, ob Ihr das wisst, was man hoffen muss und von wem man es erhoffen muss. Könnt Ihr das Vater Unser?

S: Ich kann es sehr gut, denn es ist das erste, was ich gelernt habe. Ich spreche es jeden Morgen und jeden Abend zusammen mit dem „Gegrüßet seist du, Maria" und dem Glaubensbekenntnis.

L: Dann sagt jetzt das Vater Unser auf!

S: Vater unser im Himmel.

1.  Geheiligt werde dein Name.

2.  Dein Reich komme.

3.  Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

4.  Unser tägliches Brot gib uns heute.

5.  Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

6.  Und führe uns nicht in Versuchung.

7.  Sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.

L: Wer hat dieses Gebet verfasst?

S:  Unser Herr Jesus Christus. Deshalb ist es das vorzüglichste von allen.

L: Was enthält dieses Gebet insgesamt?

S: Alles, was man von Gott erbitten und erhoffen kann. Deshalb sind es sieben Bitten. In den ersten vier bittet man darum, dass er uns etwas Gutes gibt, in den weiteren drei, dass er uns vom Bösen befreit. Beim Guten bittet man zuerst um die Ehre Gottes, dann um unser höchstes Gut, drittens um den Erwerb der Gnade und viertens um das Mittel, diese Gnade zu erhalten und zu bewahren. Beim Bösen bittet man, dass er uns vom Bösen befreit, zuerst von dem in der Vergangenheit, dann von dem in der Zukunft und schließlich von dem in der Gegenwart und auf diese Weise von jedem Bösen.

L: Erklärt die Worte vor der ersten Bitte: „Vater unser im Himmel"!

S: Das ist ein kurzes Vorwort, das den Mut erklärt, einen so großen Herrn anzusprechen, und die Hoffnung, von ihm erhört zu werden. Darin wird gesagt, dass Gott durch die Schöpfung und durch die Annahme als seine Kinder unser Vater ist. Deshalb nehmen wir als seine Kinder unsere Zuflucht bei ihm. Dann fügt man hinzu „im Himmel", um darin den Herrn der Welt anzusprechen. Daraus wissen wir, dass er uns erhören kann, wenn er will, so wie wir hoffen, dass er es will, weil er Vater ist.

L: Erklärt die zweite Bitte!

S:  In der zweiten Bitte erbitten wir, dass sein Reich, das er uns versprochen hat, bald kommt. Wenn also einmal unsere Kämpfe mit dem Teufel, mit der Welt und mit dem Fleisch beendet sein werden, werden wir zur ewigen Seligkeit gelangen, wo wir ohne jedes Hindernis mit Gott herrschen werden.

L: Erklärt die dritte Bitte!

S: In der dritten Bitte erbitten wir die Ehre Gottes, womit wir seinen heiligen Geboten in vollkommener Weise gehorchen, so wie die Engel im Himmel ihm allezeit gehorchen. Denn die Leiter zum Aufstieg in das Himmelreich ist der Gehorsam gegenüber den Geboten.

L: Erklärt die vierte Bitte!

S: In der vierten Bitte erbitten wir das tägliche Brot. Es ist das geistliche Brot, nämlich das Wort Gottes und die Sakramente, und ebenso das leibliche Brot, nämlich Nahrung und Kleidung. Denn das Wort Gottes, das die Prediger verkündigen und das wir selbst in den geistlichen Büchern lesen, und die heiligen Sakramente, ganz besonders Beichte und Kommunion, sind von sich aus äußerst wirksame Mittel, um die Gnade Gottes zu erwerben und zu behalten (das heißt, wenn von uns aus nichts dazu fehlt). Von dieser Gnade haben wir in der vorherigen Bitte ja bereits gesprochen. Nahrung und Kleidung sind für uns nötig, um uns dieses Leben im Dienst Gottes zu erhalten.

L: Erklärt die fünfte Bitte!

S:  In der fünften Bitte erbitten wir, dass Gott uns vom früheren Bösen, also den schon begangenen Sünden, befreit. Dazu soll er die Schuld und die Strafe für diese Sünden vergeben. Dabei folgt aber noch der Satz: „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", das heißt wie wir unseren Feinden ihr Unrecht an uns vergeben. Es ist nämlich ein Widerspruch, wenn Gott uns die Sünden vergibt, die doch ganz schweres Unrecht gegen ihn darstellen, wir aber die an uns geschehenen Fehler nicht vergeben wollen, die doch ein Unrecht von geringem Gewicht darstellen.

L: Erklärt die sechste Bitte!

S:  In der sechsten Bitte erbitten wir, dass Gott uns von den Versuchungen befreit, also den künftigen Übeln. Dazu soll er entweder nicht zulassen, dass wir versucht werden, oder uns die Gnade geben, von ihnen nicht besiegt zu werden.

L: Erklärt die siebte Bitte!

S: In der siebten Bitte erbitten wir, vom gegenwärtigen Bösen befreit zu werden, von jedem Kummer und Elend und auch von jedem leeren Wohlstand und irdischer Größe, wenn er sieht, dass sie dem Seelenheil schaden.

L: Sagt das „Gegrüßet seist du, Maria" auf!

S:  Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder

jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

L: Vom wem stammen diese Worte?

S: Zum Teil vom Erzengel Gabriel, zum Teil von der heiligen Elisabeth und zum Teil von der Kirche.

L: Wozu sprecht Ihr das „Gegrüßet seist du, Maria" nach dem Vater Unser?

S: Damit es auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau das, was ich von Gott erbitte, leichter erreicht. Denn sie ist die Fürsprecherin der Sünder und voll Barmherzigkeit. Gleichzeitig hat sie ihren Platz im Himmel über allen Chören der Engel und ist Gott ganz und gar wohlgefällig.

L: Wendet Ihr euch auch an die anderen Heiligen um Hilfe?

S:  Ich wende mich an alle Heiligen, besonders an meinen Namenspatron und an meinen Schutzengel.

 

Die Gebote Gottes

L: Jetzt kommen wir zu dem, was man tun muss, um Gott und den Nächsten zu lieben. Sagt die zehn Gebote auf!

S: 

1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst mir keinen anderen Gott vorziehen.

2.  Du sollst den Namen Gottes nicht ohne Grund nennen.

3.  Denke daran, die Feste zu heiligen.

4.  Ehre den Vater und die Mutter.

5.  Nicht töten.

6.  Keinen Ehebruch begehen.

7.  Nicht stehlen.

8.  Kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten geben.

9.  Die Frau eines anderen nicht begehren.

10. Das Eigentum eines anderen nicht begehren.

L: Wer hat diese Gebote gegeben?

S: Gott selbst im Gesetz des Alten Testamentes, und später hat Christus, unser Herr, sie im Neuen Testament bestätigt.

L: Was enthalten diese Gebote insgesamt?

S:  Alles, was man tun muss, um Gott und den Nächsten zu lieben. Denn die ersten drei Gebote lehren, wie wir uns gegenüber Gott im Herzen, mit dem Mund und mit den Werken verhalten sollen. Die anderen sieben Gebote leiten uns an, dem Nächsten Gutes zu tun, ihm nicht als Person, in seiner Ehre oder in seinem Besitz zu schaden, und zwar weder in Taten noch in Worten oder in Gedanken. So besteht das Ziel aller Gebote im Gebot der Liebe, das gebietet, Gott über alles zu lieben und den Nächsten wie uns selbst.

L: Erklärt das erste Gebot!

S:  Am Anfang weist uns Gott darauf hin, dass er unser wahrer und höchster Herr ist. Deshalb ist es unsere Pflicht, ihm ganz sorgfältig zu gehorchen. Er gebietet ausdrücklich, dass wir niemand anderes als Gott ansehen dürfen.

Darin besteht die Sünde der Heiden, die die Geschöpfe anstelle des Schöpfers verehren, und auch der Zauberer und Hexer, die den Teufel für ihren Gott halten.

L: Erklärt das zweite Gebot!

S: Das zweite Gebot verbietet die Flüche, was sehr große Sünden sind, die falschen oder nicht notwendigen Eide, die mangelnde Erfüllung eines Gelübdes und jede andere Art von Verunehrung, die man Gott in Worten zufügen kann.

L: Erklärt das dritte Gebot!

S: Das dritte Gebot gebietet die Einhaltung der Festtage. Sie besteht in der Enthaltung von knechtischen Arbeiten, um Zeit für die Betrachtung der göttlichen Wohltaten zu haben, Kirchen zu besuchen, zu beten, geistliche Bücher zu lesen, am Gottesdienst und an Gebeten teilzunehmen und andere geistliche und heilige Werke dieser Art zu verrichten.

L: Erklärt das vierte Gebot!

S:  Das vierte Gebot befiehlt, dass man Vater und Mutter nicht nur mit ehrenden Worten Achtung erweist und die Mütze vor ihnen zieht, sondern ihnen auch in ihren Bedürfnissen Hilfe und Unterstützung gewährt. Was hier von Vater und Mutter gesagt wurde, daran muss man sich auch gegenüber den anderen Nächsten halten, auch wenn hier nicht die gleiche Pflicht besteht wie beim Vater und bei der Mutter, die uns das Dasein geschenkt haben und uns mit viel Mühe aufgezogen haben.

L: Erklärt das fünfte Gebot!

S:  Im fünften Gebot ist uns geboten, niemanden unrecht umzubringen oder ihm persönlich ein anderes Übel zuzufügen. Unrecht heißt es hier, weil die Richter, die die Übeltäter zum Tod verurteilen, und die Diener der Gerechtigkeit, die sie hinrichten, ebenso wie die Soldaten in einem gerechten Krieg nicht sündigen, wenn sie verwunden oder töten.

L: Erklärt das sechste Gebot!

S: Das sechste Gebot gebietet, dass man keinen Ehebruch begeht, das heißt Sünden mit der Frau eines anderen. Es heißt auch, dass man keine Unzucht oder eine andere Fleischessünde begeht.

L: Erklärt das siebte Gebot!

S: Das siebte Gebot gebietet, dass niemand das Eigentum eines anderen stiehlt, weder insgeheim (das ist ein Diebstahl) noch offen (das ist Raub).

Auch darf er nicht beim Verkauf und Kauf Betrug anwenden und dementsprechende Verträge schließen. Schließlich darf er den Nächsten nicht an seinen Sachen schädigen.

L: Erklärt das achte Gebot!

S: Im achten Gebot wird das falsche Zeugnis verboten, das Murren, Herabsetzen, Schmeicheln, Lügen Anwenden und andere Arten der Schädigung, die man dem Nächsten mit der Zunge zufügt.

L: Erklärt die beiden letzten Gebote!

S: Gott gebietet in den zwei letzten Geboten, dass niemand die Frau und das Eigentum eines anderes begehrt. Denn er, der in die Herzen schaut, will uns heilig und rein, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, so dass wir ganz gerecht sind.

 

Die Kirchengebote und die Räte

L: Nehmt nun zu den Geboten Gottes die wenigen hinzu, die ihnen die heilige Kirche angehängt hat!

S: Es gibt sechs Kirchengebote:

1.  Die Messe an allen Sonntagen und an den anderen gebotenen Festtagen zu besuchen.

2.  In der Fastenzeit, an den gebotenen Vigiltagen und den Quatembertagen zu fasten und an Freitagen und Samstagen kein Fleisch zu essen.

3.  Mindestens einmal im Jahr zu beichten.

4.  An Ostern die Kommunion zu empfangen.

5.  Den Zehnt zu bezahlen.

6.  Nicht in den geschlossenen Zeiten Hochzeit zu feiern, das heißt vom ersten Adventssonntag bis Dreikönig und vom Aschermittwoch bis zum Weißen Sonntag.

L: Zu diesen Geboten sind wir alle verpflichtet. Gibt es darüber hinaus auch noch einige Räte zur Vollkommenheit?

S: Es gibt drei Räte, die unser Herr Jesus Christus denen gegeben hat, die zur Vollkommenheit gelangen wollen.

L: Was sind diese Räte?

S: Freiwillige Armut, lebenslange Keuschheit und Gehorsam in allem, was keine Sünde ist.

 

Die Sakramente

L: Wir haben schon all das behandelt, was man glauben, hoffen und tun muss. Nun bleibt uns noch, dass wir die heiligen Sakramente behandeln, durch die man die Gnade Gottes erlangt. So sagt, wieviele Sakramente gibt es?

S: Es gibt sieben. 1.Taufe. 2. Firmung. 3. Eucharistie. 4. Buße. 5. Heilige Ölung. 6. Weihe. 7. Ehe.

L: Wer hat sie eingesetzt?

S: Jesus Christus, unser Herr.

L: Welche Wirkung hat die Taufe?

S: Sie macht einen Menschen zu einem Kind Gottes und zum Erben des Paradieses,

sie tilgt alle Sünden und erfüllt die Seele mit Gnade und mit geistlichen Gaben.

L: Welche Wirkung hat die Firmung?

S: Sie stärkt den Menschen, damit er keine Furcht hat, den Glauben an Christus, unseren Herrn, zu bekennen. So macht sie uns zu wahren Soldaten des Erlösers.

L: Welche Wirkung hat die Eucharistie?

S: Sie nährt die Liebe, das Leben der Seele, und lässt sie Tag für Tag mehr wachsen. Auch wenn sie unter der Gestalt von Brot gereicht wird, ist sie in Wirklichkeit kein Brot, sondern der wahre Leib des Herrn. Ebenso ist das im Kelch kein Wein, auch wenn es Wein zu sein scheint, sondern unter der Gestalt von Wein ist es das wahre Blut Christi, unseres Herrn, selbst.

L: Welche Wirkung hat die Beichte?

S: Sie vergibt die Sünden, die man nach der Taufe begangen hat, und lässt den zur Freundschaft Gottes zurückkehren, der durch die Sünde sein Feind geworden ist.

L: Was muss man tun, um dieses Sakrament zu empfangen?

S: Zuerst muss man über seine Sünden Reue zeigen und sich vornehmen, sie nie mehr zu begehen. Dann muss man alle Sünden dem Priester beichten, der von den Oberen dafür zugelassen ist. Schließlich muss man die Buße verrichten, die der Priester jemanden auferlegen wird.

L: Welche Wirkung hat die heilige Ölung?

S: Sie tilgt die Überbleibsel der Sünden, sie gibt der Seele Freude und Stärke, um in dieser letzten Stunde mit dem Teufel zu kämpfen, und sie hilft, die Gesundheit des Leibes wiederzuerlangen, wenn sie dem Heil der Seele von Nutzen ist.

L: Welche Wirkung hat das Sakrament der Weihe?

S: Es gibt den Priestern Vollmacht und Gnade und den übrigen Dienern der Kirche die Fähigkeit, ihre Aufgaben gut zu erfüllen.

L: Welche Wirkung hat das Sakrament der Ehe?

S: Es gibt denen, die sich in erlaubter Weise miteinander zum gemeinsamen Leben in der Ehe verbinden, Kraft und Gnade. Weiterhin gibt sie ihnen Frieden und Liebe, damit sie Kinder in heiliger Gottesfurcht zeugen und aufziehen. So sollen sie daraus Freude in diesem und im jenseitigen Leben erhalten.

 

Die göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden

L: Wir haben eben die vier Hauptteile der Lehre abgeschlossen, das Glaubensbekenntnis, das Gebet des Herrn, die Gebote und die Sakramente. Jetzt möchte ich, dass wir von den Tugenden und Lastern und von einiger anderen Gegenständen sprechen, die viel dazu beitragen, entsprechendem Willen Gottes zu leben. So sagt, wieviele Haupttugenden gibt es?

S: Sieben. Drei göttliche Tugenden und vier Kardinaltugenden.

L: Was sind die göttlichen Tugenden?

S: Glaube, Hoffnung und Liebe.

L: Warum heißen sie göttlich?

S: Weil das Wort „göttlich" etwas meint, das sich auf Gott bezieht oder ihn gehört.

L: Wie gehört dann der Glaube zu Gott?

S: Weil er bewirkt, dass wir alles glauben, was Gott der heiligen Kirche geoffenbart hat.

L: Warum gehört die Hoffnung zu Gott?

S: Weil sie bewirkt, dass wir unser Vertrauen auf Gott setzen und von ihm das ewige Leben erhoffen. Dies geschieht durch die Gnade Gottes und durch unsere Verdienste, die aber auch aus seiner Gnade entspringen.

L: Warum gehört die Liebe zu Gott?

S: Weil sie bewirkt, dass wir Gott über alles und den Nächsten aus Liebe zu Gott wie uns selbst lieben.

L: Was sind die Kardinaltugenden?

S: Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit.

L: Warum heißen sie Kardinaltugenden?

S: Weil sie die hauptsächlichen Tugenden sind und wie Quellen für gute Werke.

L: Erklärt ihr die Aufgabe dieser Tugenden?

S: Die Klugheit macht uns bei allem bedächtig und behutsam, damit wir nicht betrogen werden und niemanden anderes betrügen. Die Gerechtigkeit macht, dass wir anderen das Ihre geben. Die Mäßigkeit macht, dass wir Unordnung zügeln. Die Tapferkeit macht, dass wir für den Dienst Gottes keine Gefahr fürchten, noch nicht einmal den Tod.

 

Die Gaben des Heiligen Geistes

L: Wieviele Gaben des Heiligen Geistes gibt es?

S:  Sieben: 1. Weisheit. 2. Erkenntnis. 3. Rat. 4. Stärke. 5. Wissenschaft. 6. Frömmigkeit. 7. Gottesfurcht.

L: Wozu dienen diese Gaben?

S: Sie dienen der Unterstützung der Tugenden und um uns auf dem Weg Gottes vollkommen zu machen. Denn durch die Furcht halten wir uns von den Sünden fern. Durch die Frömmigkeit sind wir andächtig und Gott gehorsam. Durch die Wissenschaft werden wir gelehrt, den Willen Gottes zu kennen. Durch die Stärke erhalten wir die Hilfe, ihn auch auszuführen. Durch den Rat werden wir auf die Betrügereien des Teufels aufmerksam. Durch die Erkenntnis werden wir dazu erhoben, die Glaubensgeheimnisse zu ergründen. Durch die Weisheit werden wir vollkommen, indem wir unser ganzes Leben und unsere Taten auf die Ehre Gottes ausrichten. Denn der Weise kennt stets das letzte Ziel und richtet alles darauf aus.

 

Die Werke der Barmherzigkeit

L: Wieviele Werke der Barmherzigkeit gibt es, über die von uns am Tag des Gerichtes im einzelnen Rechenschaft verlangt wird?

S: Es gibt vierzehn, sieben leibliche und sieben geistliche Werke.

L: Sagt Ihr die leiblichen auf?

S:

1. Die Hungrigen speisen.

2.  Die Dürstenden tränken.

3.  Die Nackten bekleiden.

4.  Die Pilger beherbergen.

5.  Die Kranken besuchen.

6.  Die Gefangenen besuchen.

7.  Die Toten begraben.

L: Sagt jetzt die geistlichen Werke auf!

S:

1. Den Zweifelnden raten.

2.  Die Unwissenden lehren.

3.  Die Sünder ermahnen.

4.  Die Traurigen trösten.

5.  Die Beleidigungen vergeben.

6.  Die lästigen Leute geduldig ertragen.

7.  Für die Lebenden und die Toten beten.

 

Die Sünden

L: Jetzt kommen wir zu den Sünden. Welche Arten von Sünden gibt es?

S: Zwei, die Erbsünde und die Tatsünde. Die Tatsünde unterteilt sich in Todsünde und lässliche Sünde.

L: Was ist die Erbsünde?

S: Sie ist das, womit wir alle geboren werden und was wir von unserem Stammvater Adam als Erbe haben.

L: Wie wird sie bei uns ausgelöscht?

S: Mit der heiligen Taufe.

Wer deshalb ohne Taufe stirbt, kommt in den Limbus und ist in Ewigkeit der Herrlichkeit des Paradieses beraubt.

L: Was ist die Todsünde?

S: Sie ist das, was man gegen die Liebe zu Gott und zum Nächsten begeht. Sie heißt Todsünde, weil sie der Seele ihr geistliches Leben wegnimmt, das heißt die Gnade Gottes.

L: Wie wird sie uns vergeben?

S:  Mit der heiligen Taufe, wenn jemand in einem Alter, in dem er schon Tatsünden begangen hat, getauft wird, oder mit dem Bußsakrament, wie es schon gesagt wurde. Wer aber in der Todsünde stirbt, kommt in die Qualen der Hölle.

L: Was ist die lässliche Sünde?

S:  Sie ist das, was sich nicht gegen die Liebe richtet, die Seele nicht der Gnade beraubt und sie nicht in die Qualen der Hölle kommen lässt. Dennoch missfällt sie Gott, weil sie nicht seinem Willen entspricht und die Glut der Liebe verringert. Aus diesem Grund muss man sich von ihr in dieser Welt oder im Fegfeuer, also im anderen Leben, reinigen.

L: Wieviele Hauptsünden gibt es, die wie Quellen für alle Sünden sind?

S:  Es gibt sieben, und ihr Gegenteil ist jeweils eine entsprechende Tugend.

1.  Stolz, das Gegenteil der Demut.

2.  Habgier gegen Großmut.

3.  Unkeuschheit gegen Keuschheit.

4.  Zorn gegen Geduld.

5.  Völlerei gegen Enthaltsamkeit.

6.  Neid gegen Bruderliebe.

7.  Trägheit gegen Eifer.

L: Wieviele Sünden gegen den Heiligen Geist gibt es?

S:  Sechs.

1.  Verzweiflung am Heil.

2.  Anmaßung, ohne Verdienste gerettet zu werden.

3.  Bekämpfung der einmal erkannten Wahrheit.

4.  Neid auf die Gnaden anderer.

5.  Verstockung in den Sünden.

6.  Unbußfertigkeit bis zuletzt.

L: Wieviele himmelschreiende Sünden gibt es, die vor dem Angesicht Gottes nach Rache schreien?

S: Vier.

1.  Vorsätzliche Tötung.

2.  Widernatürliche fleischliche Sünde.

3.  Unterdrückung der Armen.

4.  Den Arbeitern den Lohn vorzuenthalten.

 

Die vier letzten Dinge und der Rosenkranz

L: Wieviele letzten Dinge des Menschen gibt es, die die Schrift die jüngsten nennt und die uns von den Sünden abhalten, wenn man sie recht bedenkt?

S: Vier. 1. Der Tod. 2. Das Gericht. 3. Die Hölle. 4. Das Paradies.

L: Welche Übung habt ihr, die die Andacht erhält?

S: Ich bete den Rosenkranz zur Muttergottes und betrachte dabei die 15 Geheimnisse dieses Rosenkranzes, in denen das Leben unseres Herrn Jesus Christus enthalten ist.

L: Was sind die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes?

S:  Zuerst die fünf freudenreichen:

1.  Die Verkündigung durch den Engel.

2.  Der Besuch bei Elisabeth.

3.  Die Geburt des Herrn.

4.  Die Darstellung im Tempel.

5.  Das Gespräch des jungen Jesus mit den Gelehrten.

Fünf weitere sind die schmerzhaften Geheimnisse:

1.  Das Gebet im Garten.

2.  Die Geißelung an der Säule.

3.  Die Dornenkrönung.

4.  Das Tragen des Kreuzes.

5.  Die Kreuzigung und der Tod des Heilands.

Die fünf letzten sind die glorreichen:

1.  Die Auferstehung des Herrn.

2.  Seine Himmelfahrt.

3.  Das Kommen des Heiligen Geistes.

4.  Die Aufnahme Mariens in den Himmel.

5.  Ihre Krönung und Erhebung über alle Chöre der Engel.

 

Tugendakte

Man soll sie aus ganzem Herzen sprechen. Sie sind für das Heil notwendig.

 

Akt des Glaubens

Ich glaube fest, weil der unfehlbare Gott die Wahrheit so der hl. Kirche und durch sie auch uns geoffenbart hat: Es gibt einen einzigen Gott in drei einander gleichen und voneinander verschiedenen Personen. Sie heißen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Sohn wurde Mensch und hat dafür im Schoß der allerreinsten Jungfrau Maria Fleisch und eine menschliche Seele angenommen durch das Wirken des Heiligen Geistes. Er starb für uns am Kreuz, erstand vom Grab, fuhr zum Himmel auf, von wo er kommen wird am Ende der Welt, zu richten alle Lebenden und Toten, um den Guten für immer das Paradies, den Bösen aber die Hölle zu geben. Aus demselben Grund glaube ich außerdem alles, was dieselbe katholische, apostolische und römische Kirche glaubt.

 

Akt der Hoffnung

Mein Gott, weil Ihr vollkommen treu, allmächtig und unendlich gut und barmherzig seid, hoffe ich, dass Ihr mir kraft des Leidens und Todes Jesu Christi, unseres Heilandes, das ewige Leben geben werdet, das Ihr jedem verheißen habt, der die Werke eines guten Christen vollbringt. Das nehme auch ich mir vor, es mit Ihrem heiligen Beistand zu tun.

 

Akt der Liebe

Mein Gott, weil Ihr das höchste und vollkommenste Gut seid, liebe ich Euch von ganzem Herzen und über alles. Bevor ich Euch beleidige, bin ich bereit, alles zu verlieren. Aus Liebe zu Euch will ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst.

 

Akt der Reue

Mein Gott, ich bereue meine Sünden. Sie tun mir von ganzem Herzen leid, nicht nur wegen der Hölle, die ich verdient habe, und wegen des Paradieses, das ich verloren habe, sondern ich bereue sie noch viel mehr, weil ich im Sündigen einen unendlich guten Gott verachtet habe. Lieber wäre ich zuvor gestorben, als Euch beleidigt zu haben. In Zukunft will ich lieber eher sterben, als Euch noch einmal zu beleidigen, und will auch jede nächste Gelegenheit zur Sünde meiden.

 

Unterricht

 

Für den, der gefirmt werden soll, und was er dafür wissen soll

1.   Das Vater Unser, das „Gegrüßtet seist du, Maria" und das Glaubensbekenntnis.

2.   Die zehn Gebote des Herrn und die fünf Gebote der heiligen Kirche.

3.   Die Hauptsünden, die man meiden muss.

4.   Die Sakramente der heiligen Kirche.

5.   Wieviele Personen der allerheiligsten Dreifaltigkeit es gibt und wer sie sind.

6.   Wer die Person ist, die für uns Fleisch angenommen und uns mit ihrem Tod erlöst hat. Darüber hinaus muss man wissen, was die Firmung ist, die man empfangen soll, welche Wirkung sie in der Seele des Firmlings hervorruft und um welche Disposition man sich für ihren Empfang bemühen muss.

L: Auf welche Weise wird das Sakrament der Firmung gespendet?

S: Der Bischof legt die Hände auf den Kopf dessen, der gefirmt wird. Dann salbt er die Stirn mit dem heiligen Chrisam.

L:  Ich möchte wissen, was das Chrisam ist.

S: Das Chrisam enthält eine Mischung aus Öl und Balsam und ist mit einer feierlichen Weihe des Bischofs bereitet worden.

L: Was bedeutet das Öl?

S: Es bedeutet den Glanz eines guten Gewissens.

L: Und was bedeutet das Balsam?

S: Es bedeutet den Wohlgeruch eines guten Lebens.

L: Würdest du mir bitte erklären, welche Wirkung dieses Sakrament für die Seele hat?

S: Es vermehrt die Gnade und stärkt den Menschen, damit er unbeugsam den Glauben an Christus bekennt. Denn es heißt ursprünglich auch Konfirmation, also Stärkung.

L: Ich möchte wissen, ob die Firmung auch eine andere Wirkung besitzt.

S:  Sie prägt einen Charakter ein, das heißt ein unauslöschliches Zeichen in der Seele. Deshalb kann man sie jemandem auch nur einmal erteilen.

L: Warum werden bei diesem Sakrament wie bei der Taufe Paten benötigt?

S: Wie ein Soldat nicht ohne einen Hauptmann auf das Schlachtfeld geht, so benötigt der gefirmte Christ, der doch ein wahrer Soldat Jesu Christi ist, einen Führer im geistlichen Kampf, und dies ist der Pate.

L: Warum wird die Stirn in Form eines Kreuzes gesalbt?

S: Damit der Gefirmte sich nicht schämt, den Namen Christi zu bekennen, und damit er den Einflüsterungen des teuflischen Feindes widerstehen kann.

L: Warum gibt der Bischof dem Firmling einen Backenstreich?

S: Damit der Gefirmte sich daran erinnert, dieses Sakrament empfangen zu haben, das man kein zweites Mal empfangen kann. Genauer gesagt, damit er sich daran erinnert, ein tapferer Soldat Christi zu sein, dazu bereit, für den heiligen Glauben jede Art von Unrecht zu erdulden.

L: Ich möchte gerne wissen, was der Friedensgruß bedeutet, der am Ende ausgetauscht wird.

S: Der Friedensgruß bedeutet die Fülle der himmlischen Gnade.

L: Legt mir dar, welche Disposition in der Seele eines Firmlings gefordert ist!

S: Es ist erforderlich, sich im Gnadenstand zu befinden, denn dieses Sakrament verleiht Wachstum in der Gnade. Deshalb müsste ein Firmling vorher beichten, wenn er sich im Zustand der Todsünde befinden sollte.

L: Welche Disposition ist im Blick auf den Leib erforderlich?

S:  Es ist überaus angemessen, dass der Firmling nüchtern ist, in einfacher Kleidung, mit gewaschenem Gesicht und mit Haaren, die die Stirn freilassen.

 

Unterricht über die Sakramente

 

Die Beichte

L: Wie reinigt man die Seele von der Todsünde?

S: Mit einer guten Beichte.

L: Worum muss man sich für eine gute Beichte bemühen?

S: Um fünf Dinge.

1.  Man muss sein Gewissen gut erforschen.

2.  Reue darüber haben, dass man Gott beleidigt hat.

3.  Einen festen Vorsatz fassen, ihn von jetzt an nie mehr zu beleidigen und die Gelegenheit, ihn zu beleidigen, zu vermeiden.

4.  All seine Sünden dem Beichtvater bekennen und erklären.

5. Gott mit der auferlegten Buße Genugtuung leisten und, wenn es nötig ist, auch dem Nächsten mit der Wiedergutmachung.

L: Was muss man tun, um sein Gewissen gut zu erforschen?

S: Zweierlei.

Erstens Gott um Erleuchtung bitten, seine Sünden zu erkennen. Zweitens sich für eine genaue Nachforschung über die Sünden, die man in Gedanken, Worten, Werken und Unterlassungen begangen hat, etwas Zeit nehmen.

L: Muss man dem Beichtvater unbedingt genau die Zahl sagen, wie oft man gesündigt hat?

S: Bei den Todsünden ist es unbedingt nötig, genau die Zahl sagen, wie oft man gesündigt hat. Wenn man diese Zahl aber nicht mehr genau kennt, muss man die Zahl sagen, die man dafür am wahrscheinlichsten hält.

L: Aber ist es dann nicht besser, in der Beichte eine größere Zahl dafür, was man falsch gemacht hat, zu nennen?

S: Es ist überhaupt nicht besser. Denn dann würde man ja dem Beichtvater in einer schwerwiegenden Sache eine Lüge sagen.

L: Wie soll derjenige aber die Zahl der Sünden nennen, der sich noch nicht einmal in etwa erinnern kann, wie oft er gefallen ist?

S: In diesem Fall muss er sagen, für einen wie langen Zeitraum er gesündigt hat und wie oft er dabei normalerweise jede Woche oder jeden Monat gesündigt hat.

L: Welcher verschiedenen Art kann die Reue sein, die man bei der Beichte haben muss?

S:  Zweierlei Art, nämlich die unvollkommene und die vollkommene Reue.

L: Was ist die unvollkommene Reue?

S: Die unvollkommene Reue ist die Reue, mit der man die Sünde insgesamt verabscheut. Das geschieht entweder aus Furcht vor der Hölle oder für den Verlust des Paradieses oder für die Hässlichkeit der Sünde selbst. Sie nennt sich Furchtreue.

L: Wie macht man einen Akt der Furchtreue?

S: Mein Gott, ich habe mit meinen Sünden die Hölle verdient und das Paradies verloren. Deshalb bereue ich, und es schmerzt mich von ganzem Herzen, dich beleidigt zu haben. Mit deiner allerheiligsten Gnade nehme ich mir fest vor, dich nie mehr zu beleidigen.

L: Was ist die vollkommene Reue?

S:  Die vollkommene Reue ist die Reue, mit der man die Sünde mehr als alles Übel aus Liebe zu Gott, dem höchsten Gut, verabscheut. Sie nennt sich Liebesreue.

L: Wie können wir eine solche Reue erwerben?

S: Zunächst dadurch, dass wir sie vom Herrn erbitten, denn sie ist seine Gabe. Dann dadurch, dass wir aufmerksam daran denken, dass die Todsünde eine höchste Beleidigung für Gott darstellt. Dabei verdient er es doch für seine unendliche Vollkommenheit, über alles geliebt zu werden und dass alle Geschöpfe ihm mit all ihren Kräften dienen.

L: Wie macht man also einen Akt der Liebesreue?

S:  Man spricht mit aufrichtigem Herzen zum Herrn: Mein Gott, du bist die unendliche Güte und würdig, über alles geliebt zu werden. Darum liebe ich dich aus ganzem Herzen und über alles. Deshalb bereue ich und es schmerzt mich von ganzem Herzen, dich beleidigt zu haben. Mit deiner allerheiligsten Gnade nehme ich mir fest vor, dich nie mehr zu beleidigen.

L: Welchen größeren Wert hat diese vollkommene Reue im Vergleich zur unvollkommenen Reue?

S: Wer einen Akt der vollkommenen Reue macht, dem ist die Sünde sofort vergeben, auch wenn er noch verpflichtet ist, sie zu gegebener Zeit zu beichten. Wer dagegen einen Akt der unvollkommenen Reue macht, dem ist sie noch nicht vergeben, bis er die Lossprechung vom Priester erhält.

L: Wenn sich jemand ohne Beichte in Todesgefahr befindet, wie kann er sich dann von der Sünde befreien?

S: Er könnte sich mit einem Akt vollkommener Reue befreien. Man muss sich jedoch daran gewöhnen, ihn häufig zu sprechen, um ihn im Notfall auch sofort zu können.

L: Wenn jemand ohne Reue und ohne Vorsatz beichten würde, erhielte er dann die Vergebung seiner Sünden?

S:  Er würde sie nicht erhalten, und wenn er in diesem Zustand ohne Reue sterben würde, würde er wie gesagt für immer verloren gehen.

L: Wenn jemand in einer Beichte eine Todsünde ausgelassen hätte, wäre die Beichte dann gültig?

S: Wenn er sie auslässt, weil er sich nicht daran erinnert hat, ist die Beichte gültig. Wenn er sich aber wieder daran erinnert, muss er sie auch beichten. Wenn er sie aber aus Schlechtigkeit oder aus Scham oder wegen einer ungenügenden Gewissenserforschung auslässt, ist die Beichte ungültig, und er beginge ein Sakrileg. Die Sünden wären ihm nicht vergeben.

L: Was muss jemand demnach tun, der in dieser Art und Weise schlecht gebeichtet hat?

S: Drei Dinge muss er tun.

Erstens muss er die Sünde bekennen, die er nicht gebeichtet hat, und dabei ausdrücklich sagen, dass er sie absichtlich ausgelassen hat, nämlich aus Schlechtigkeit, aus Scham oder wegen einer ungenügenden Gewissenserforschung.

Zweitens muss er noch einmal alle Sünden, die er bei dieser Beichte bekannt hat, von neuem sagen.

Drittens muss er sagen, wie oft er gebeichtet oder die Kommunion empfangen hat, seitdem er diese Sünde bei der Beichte ausgelassen hat.

L: Erläutere uns jetzt, wie man das Bekenntnis unserer Sünden vor dem Beichtvater machen soll!

S: Es soll folgendermaßen vor sich gehen.

Erstens vollständig mit allen Sünden: Dabei sagt man die Zahl, die Art und die Umstände, die die Art verändern.

Zweitens demütig, ohne sich zu entschuldigen, sondern indem man sich anklagt und bereitwillig den Tadel des Beichtvaters entgegennimmt.

Drittens aufrichtig, indem man auf die Fragen des Beichtvaters die Wahrheit sagt.

Außerdem rasch, indem man nichts Überflüssiges sagt, die Sünden anderer aufzählt oder diejenigen nennt, die bei der Sünde mitgewirkt haben.

L: Wann soll man die Buße, die der Beichtvater einem auferlegt hat, verrichten?

S: Sobald wie möglich. Man soll sie auch fromm, demütig und in der Weise, wie sie der Beichtvater auferlegt hat, verrichten.

L: Kann der Priester jemals die Sünden, die er in der Beichte vernommen hat, einem anderen preisgeben?

S: Er kann sie in keinem Fall preisgeben, noch nicht einmal, wenn er sonst sein Leben verlieren müsste oder die ganze Welt zugrunde ginge. Ebenso wäre jemand in der Nähe, der eine Sünde von jemandem in de Beichte mithören würde, dazu mit ähnlicher Strenge verpflichtet, sie für immer geheim zu halten.

L: Wann soll man beichten?

S: Das Gebot verpflichtet dazu einmal im Jahr. Ein guter Rat leitet dazu an, zur Beichte zu gehen, bevor man wieder in die Sünde fällt oder zumindest sofort danach. Es ist ja schrecklich, auch nur einen Augenblick in der Todsünde zu leben, wenn der Sünder doch jederzeit sterben könnte und dann verloren ginge.

L: Welches große Gut verschafft eine so verrichtete Beichte der Seele?

S: Sie verschafft sieben Güter.

1.  Sie tilgt die Todsünde.

2.  Sie versetzt uns wieder in die Freundschaft Gottes.

3.  Sie verwandelt die ewige Strafe der Hölle in eine zeitliche Strafe in dieser Welt oder im Fegfeuer.

4.  Sie macht den Verdienst der guten Werke wieder lebendig, die man vor der Sünde getan hat oder die die Sünde hat sterben lassen.

5.  Sie verschafft das Recht auf das Erbe des Paradieses.

6.  Sie gibt die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen und ihnen nicht von neuem zu erliegen.

7.  Für gewöhnlich bringt sie auch einen großen Frieden mit sich, ein ruhiges Gewissen in unserem Herzen.

 

Die Eucharistie

L: Was sind die Sakramente, die ein Christ häufiger empfangen muss?

S: Die allerheiligste Eucharistie und die Beichte.

L: Was ist das Sakrament der Eucharistie?

S: Es ist ein Sakrament, das den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi unter der Gestalt von Brot in der Hostie und von Wein im Kelch in sich birgt.

L: Was ist demnach die Hostie, bevor sie gewandelt ist?

S: Ein wenig Brot.

L: Ist sie nach der Wandlung immer noch Brot?

S:  Nein, sie ist nicht mehr Brot, sondern dr wahre Leib Jesu Christi. Weil aber der Leib lebendig ist und mit der Person des Sohnes Gottes ver­eint ist, ist darin mit dem Leib auch das Blut und mit dem Blut auch die Seele und die Gottheit zugegen.

L: Und was ist der Wein im Kelch vor der Wandlung?

S: Er ist einfach Wein mit ein wenig Wasser.

L: Und was ist er nach der Wandlung?

S: Er ist das wahre Blut Jesu Christi. Weil aber nun das Blut mit dem Leib Christi vereint ist, ist darin mit dem Blut auch der Leib, und mit dem Leib ist die Seele und die Gottheit des Heilands zugegen.

L: Ist denn nicht gleichzeitig noch die Substanz des Brotes in der Hostie und die des Weins im Kelch?

S:  Ganz und gar nicht mehr, denn durch die Wandlung hat sie sich ganz in die Substanz des Leibes und Blutes des Herrn verändert. Es bleiben nur die Gestalten von Brot und Wein.

L: Was versteht man unter den Gestalten des Brotes und des Weines, die in der Hostie und im Kelch bleiben?

S:  Das, was als solches den Sinnen erscheint: Farbe, Geschmack, Geruch und andere ähnliche Eigenschaften.

L: Empfängt der, der eine halbe gewandelte Hostie empfängt, den ganzen Herrn?

S: Er empfängt ihn ganz, denn Jesus Christus befindet sich in der ganzen Hostie ganz so wie in jedem Teil dieser Hostie.

L: Wenn der Priester die Hostie bricht, bricht er dann auch den Leib Jesu Christi?

S:  Nein, denn er bricht nur die Gestalten und die äußere Erscheinungsweise des Brotes.

L: Wenn er diesen Leib nicht bricht, in welchem Teil bleibt dann der Herr?

S:  Er bleibt ganz in jedem der Teile.

L: Wie bleibt er darin, lebendig oder tot?

S: Er bleibt darin lebendig und so schön, groß und herrlich, wie er im Paradies ist.

L: Wenn der Herr in die Hostie kommt, verlässt er dann das Paradies?

S: Er verlässt es nicht, sondern zur gleichen Zeit, da er im Himmel zur Rechten des Vaters sitzt, befindet er sich im allerheiligsten Sakrament.

L: Welche Haltung an Leib und Seele muss jemand aufbringen, um würdig zu kommunizieren?

S: Der Leib muss von Mitternacht an nüchtern sein, es sei denn, er empfängt die Kommunion als Wegzehrung. Die Seele muss von jeder Todsünde gereinigt sein.

L: Wenn sich jemand nach der Beichte vor der Kommunion an eine Todsünde erinnert, was soll er tun?

S: Wenn er sich daran erst an der Kommunionbank erinnert, soll er den Herrn um Verzeihung bitten und die Kommunion empfangen. Später soll er dann zu gegebener Zeit beichten. Wenn er sich dagegen daran erinnert, bevor er dazu hingetreten ist, soll er zum Beichtvater zurückkehren.

L: Muss jemand in der Nacht vor der Kommunion wenigstens eine gewisse Zeit lang geschlafen haben?

S: Nein, mein Herr, wenn er nur überhaupt geschlafen hat und dann aufgestanden ist, kann er kommunizieren.

L: Wie lange muss er die heilige Hostie im Mund behalten, nachdem er sie empfangen hat?

S: Er soll sie sofort hinunterschlucken.

L: Wenn ihm die Hostie aber am Gaumen kleben bleibt, was kann er da machen?

S: Er soll sie mit der Zunge loslösen, nicht mit einem Finger. Wenn das nicht hilft, soll er etwas Wasser oder Wein trinken und sie zusammen mit der Hostie hinunterschlucken.

L: Was sollte jemand vor der Kommunion tun, um von ihr Frucht zu haben?

S: Er sollte seine Seele schmücken, indem er die Größe des Herrn betrachtet, die er empfängt und sich aneignet.

L: Und was sollte er nach der Kommunion tun?

S: Wenigstens eine Viertelstunde lang sollte er die Seele damit beschäftigen, den Herrn anzubeten, ihm zu danken, von ihm Vergebung zu erbitten und von ihm Gnaden erflehen, nicht so wie viele Leute, die gleich nach der Kommunion aus der Kirche gehen und zu reden anfangen.

L: Wie lange sollte man nach der Kommunion nicht auf die Erde spucken?

S: Etwa eine Viertelstunde. Wenn es aber ganz dringend erscheint, soll man zum Ausdruck von Ehrfurcht dazu ein Taschentuch verwenden.

L: Besteht eine gute Frömmigkeit darin, häufig zu kommunizieren?

S: Würdig zu kommunizieren ist die beste aller Frömmigkeitsformen und ist für die Seele die nützlichste von allen. Denn in der Kommunion empfängt man nicht nur die Gnade, sondern den Urheber der Gnade und die Quelle jedes unserer Güter, nämlich Jesus Christus. Deshalb sollte jeder gute Christ wenigstens einmal im Monat kommunizieren.

L: Wer die Kommunion im Zustand der Todsünde empfangen würde, würde er den Herrn empfangen?

S: Ja, aber er würde ein übergroßes Sakrileg begehen, weil er die Kommunion dann wie Judas empfangen würde.2

2 In der der Übersetzung zugrundeliegenden Fassung folgt noch eine Sammlung von Gebeten und Liedern sowie eine Anleitung zum Ministrieren.

 

Ausführlichere Erklärung der christlichen Lehre

Zum Gebrauch für diejenigen, die Kinder und andere einfache Menschen unterrichten. In Gesprächsform verfasst

 

Kapitel I: Was die christliche Lehre ist und welche Hauptstücke sie hat

Schüler (= S): Weil ich begreife, dass es notwendig ist, die christliche Lehre zu kennen, um gerettet zu werden, möchte ich, dass Sie mir erklären, was diese Lehre ist.

Lehrer (= L): Die christliche Lehre ist eine Kurzfassung oder Zusammenfassung all dessen, was Christus, unser Herr, uns gelehrt hat, um uns den Weg zum Heil zu zeigen.

S: Was sind die hauptsächlichen und notwendigeren Stücke dieser Lehre?

L: Es sind vier, nämlich das Glaubensbekenntnis, das Vater Unser, die zehn Gebote und die sieben Sakramente.

S: Warum sind es vier, nicht mehr und nicht weniger?

L: Weil es drei Haupttugenden gibt: Glaube, Hoffnung und Liebe. Das Glaubensbekenntnis ist notwendig für den Glauben, weil es uns lehrt, was wir glauben müssen. Das Vater Unser ist notwendig für die Hoffnung, weil es uns das lehrt, was wir hoffen müssen. Die zehn Gebote sind notwendig für die Liebe, weil sie uns das lehren, was wir tun müssen, um Gott zu gefallen. Die Sakramente sind notwendig, weil sie die Werkzeuge sind, mit denen man die Tugenden empfängt und bewahrt, die wie gesagt notwendig sind, um gerettet zu werden.

S: Ich hätte gern von Ihnen einen Vergleich, um die Notwendigkeit dieser vier Teile der christlichen Lehre besser zu begreifen.

L: Der hl. Augustinus gibt uns den Vergleich mit einem Haus.1 Denn wie man beim Hausbau zuerst das Fundament legen, dann die Wände hochziehen und es am Ende mit einem Dach bedecken muss und wie man dazu einige Werkzeuge benötigt, so braucht man, um in der Seele das Gebäude des Heils zu errichten, das Fundament des Glaubens, die Mauern der Hoffnung, das Dach der Liebe sowie Werkzeuge dazu, nämlich die heiligen Sakramente.

 

Kapitel II: Erklärung des Kreuzzeichens

S: Bevor wir zum ersten Teil der Lehre kommen, würde ich mich freuen, wenn Sie mir einen Vorgeschmack dessen geben könnten, was man zu glauben hat. Könnten Sie mir dazu zusammenfassend und in groben Zügen die notwendigsten Geheimnisse erklären, die im Glaubensbekenntnis enthalten sind?

L: Ihr habt recht, so will ich es auch halten. Ihr müsst also wissen, dass es zwei Hauptgeheimnisse unseres Glaubens gibt und dass beide in jenem Zeichen enthalten sind, das das heilige Kreuzzeichen heißt.

Das erste Geheimnis ist die Einheit und Dreifaltigkeit Gottes. Das zweite ist die Fleischwerdung und Passion des Heilands.

S: Was bedeutet „Einheit und Dreifaltigkeit Gottes"?

L: Diese Dinge sind überaus erhaben, und sie werden nach und nach im Lauf dieser Lehre erklärt. Fürs erste wird es genügen, wenn ihr die Bedeutung der Worte kennenlernt und etwas Weniges davon, so weit es möglich ist, versteht. Einheit Gottes bedeutet, dass über allen erschaffenen Dingen ein Wesen steht, das keinen Anfang gehabt hat, sondern immer schon gewesen ist und immer sein wird; das alle anderen Dinge gemacht hat; das sie erhält und lenkt und über allen das höchste, edelste, schönste und mächtigste Wesen ist und über alles uneingeschränkt herrscht. Dieses Wesen heißt Gott. Er ist einer, weil es nur eine einzige wahre Gottheit geben kann, das heißt eine einzige Natur oder Wesen, das unendlich mächtig, weise, gut usw. ist. Dennoch befindet sich diese Gottheit in drei Personen, die Vater, Sohn und Heiliger Geist heißen. Diese drei Personen sind ein einziger Gott, da sie dieselbe Gottheit und dasselbe Wesen haben. Das ist, als ob hier auf der Erde drei Personen namens Peter, Paul und Johannes dieselbe Seele und denselben Leib hätten. Dann würde man sie doch als drei Personen bezeichnen, weil eine Peter, eine Paul und eine Johannes wäre. Trotzdem wären sie ein einziger Mensch und nicht drei Menschen, weil sie nicht drei Leiber und auch nicht drei Seelen hätten, sondern nur einen Leib und eine Seele. Bei den Menschen ist das nicht möglich, denn das Sein des Menschen ist gering und endlich. Es kann deshalb nicht in mehreren Personen sein. Aber das Sein Gottes und seine Gottheit ist unendlich, und darum kann sich das­selbe Sein und dieselbe Gottheit im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist befinden und befindet sich auch tatsächlich darin. Es sind also drei Personen, denn die erste ist der Vater, die zweite der Sohn und die dritte der Heilige Geist. Trotzdem sind sie nur ein Gott, denn sie haben dieselbe Gottheit, dasselbe Sein, dieselbe Macht, Weisheit, Güte usw.

S: Jetzt sagen Sie mir bitte, was „Fleischwerdung und Passion des Heilands" bedeutet!

L: Die zweite göttliche Person, die wie gesagt Sohn heißt, hat außer ihrem göttlichen Sein, welches sie schon besaß, bevor die Welt erschaffen wurde, ja sogar von Ewigkeit her, auch noch menschliches Fleisch und eine menschliche Seele, also unsere ganze menschliche Natur, im Schoß einer ganz reinen Jungfrau angenommen. So fing der, der zuvor nur Gott war, an, Gott und Mensch zugleich zu sein. Nachdem er etwa 33 Jahre unter den Menschen geweilt hatte, wobei er sie den Weg zum Heil gelehrt und viele Wunder getan hatte, ließ er sich schließlich ans Kreuz nageln und starb an ihm, um Gott für die Sünden der ganzen Welt Genugtuung zu leisten. Doch nach drei Tagen erstand er vom Tod zum Leben und fuhr nach 40 Tagen zum Himmel auf. Davon werden wir noch bei der Erklärung des Glaubensbekenntnisses sprechen. Das also ist die Fleischwerdung und die Passion des Heilands.

S: Warum sind das die Hauptgeheimnisse des Glaubens?

L: Weil im ersten die erste Ursache und das letzte Ziel des Menschen enthalten ist und im zweiten das einzige und sehr wirksame Mittel, um diese erste Ursache zu erkennen und zu diesem letzten Ziel zu gelangen. Ein weiterer Grund ist, dass wir uns, indem wir diese beiden Geheimnisse glauben und bekennen, von allen falschen Parteiungen, d.h. von Heiden, Türken, Juden und Irrgläubigen unterscheiden. Und schließlich kann niemand gerettet werden, ohne diese beiden Geheimnisse zu glauben und zu bekennen.

S: Wie sind diese beiden Geheimnisse im Kreuzzeichen enthalten?

L: Das Kreuzzeichen macht man, indem man sagt: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" und sich gleichzeitig in Form eines Kreuzes bezeichnet. Dabei führt man die rechte Hand zuerst zur Stirn und spricht: „Im Namen des Vaters", dann hinab zur Brust unter den Worten: „und des Sohnes", und schließlich von der linken zur rechten Schulter unter den Worten: „und des Heiligen Geistes". Der Ausdruck „im Namen" zeigt uns die Einheit Gottes, weil man sagt „im Namen" und nicht „in den Namen". Unter dem Namen versteht man aber die göttliche Macht und Autorität, die in den drei Personen eine einzige ist. Die Worte „des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" zeigen uns die Dreifaltigkeit der Personen. Sich in Form eines Kreuzes zu bezeichnen führt uns die Passion und darum auch die Fleischwerdung des Sohnes Gottes vor Augen. Die Hand von der linken zur rechten Seite zu führen und nicht von der rechten zur linken bedeutet, dass wir durch die Passion des Herrn von den vergänglichen Dingen zu den ewigen gebracht worden sind, von der Sünde zur Gnade und vom Tod zum Leben.

S: Zu welchem Zweck macht man dieses Kreuzzeichen?

L: Erstens macht man es, um zu zeigen, dass wir Christen sind, das heißt Soldaten unseres höchsten Feldherrn, Christus. Denn dieses Zeichen ist wie ein Banner oder eine Uniform, wodurch sich die Soldaten Christi von allen Feinden der heiligen Kirche unterscheiden, nämlich von den Heiden, den Juden, den Türken und den Irrgläubigen. Außerdem macht man dieses Zeichen, um die Hilfe Gottes bei unseren Werken anzurufen. Denn mit diesem Zeichen ruft man die allerheiligste Dreifaltigkeit kraft der Passion des Heilands zu Hilfe. Aus diesem Grund haben die guten Christen die Gewohnheit, dieses Kreuz über sich zu schlagen, wenn sie sich vom Bett erheben, wenn sie das Haus verlassen, wenn sie sich zu Tisch setzen, wenn sie sich schlafen legen und auch am Beginn jeder anderen Sache, die sie zu tun haben.2 Schließlich macht man dieses Zeichen, um sich gegen jegliche Ver­suchung des Teufels zu wappnen. Denn der Teufel erschrickt vor diesem Zeichen und flieht vor ihm, so wie es die Verbrecher machen, wenn sie das Zeichen der Polizei sehen. Häufig entgeht jemand mittels dieses Zeichens des heiligen Kreuzes vielen geistlichen und weltlichen Gefahren, wenn er es mit Glauben macht und mit Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und die Verdienste Christi, unseres Herrn.3

 

Kapitel III: Erklärung des Glaubensbekenntnisses

 

Erklärung des ersten Artikels

S: Jetzt kommen wir zum ersten Teil der Lehre. Ich würde gern das Glaubensbekenntnis lernen.

L: Das Glaubensbekenntnis enthält 12 Teile. Sie heißen Artikel, und 12 sind es entsprechend der Zahl der 12 Apostel, die es verfasst haben.4 Sie lauten so:

1. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 2. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, 3. empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, 4. gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, 5. hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, 6. aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; 7. von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. 8. Ich glaube an den Heiligen Geist, 9. die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, 10. Vergebung der Sünden, 11. Auferstehung der Toten 12. und das ewige Leben. Amen.

S: Erklären Sie mir bitte den ersten Artikel Wort für Wort. Was heißt „Ich glaube"?

L: Es heißt: Ich halte all das, was in diesen 12 Artikeln enthalten ist, für gewiss und für ganz wahr. Der Grund dafür ist der, dass Gott selbst die heiligen Apostel diese Sätze gelehrt hat, die heiligen Apostel sie die Kirche gelehrt haben und die Kirche sie uns lehrt. Und weil es unmöglich ist, dass Gott lügt, deshalb glaube ich diese Dinge fester als das, was ich mit den Augen sehe und mit den Händen berühre.

S: Was heißt „an Gott"?

L: Es heißt, dass wir fest glauben müssen, dass es Gott gibt, auch wenn wir ihn nicht mit den leiblichen Augen sehen. Dieser Gott ist einer, denn man sagt ja „an Gott" und nicht „an die Götter". Auch dürft ihr euch Gott nicht so ähnlich wie etwas Körperliches vorstellen, so groß und schön es auch sein mag. Vielmehr müsst ihr denken, dass Gott etwas Geistiges ist, das immer war und immer sein wird, das alles gemacht hat, alles erfüllt und alles regiert. Er weiß und sieht alles. Kurz und gut, wenn ihr irgendetwas vor Augen habt oder es euch vorstellt, so müsst ihr sagen: Was mir da jetzt vor Augen steht, ist nicht Gott, weil Gott etwas unendlich Besseres ist.

S: Warum wird dann gesagt, dass Gott Vater ist?

L: Weil er wirklich der Vater seines eingeborenen Sohnes ist, von dem wir im zweiten Artikel sprechen werden. Des weiteren, weil er Vater aller rechtschaffenen Menschen ist, freilich nicht der Natur nach, sondern dadurch, dass er sie sozusagen adoptiert hat. Schließlich weil er Vater aller Geschöpfe ist, jedoch weder der Natur nach noch dadurch, dass er sie an Kindes statt angenommen hat, sondern durch die Schöpfung, wie wir es im selben Artikel gleich sagen werden.

S: Warum sagt man „den Allmächtigen"?

L: Weil dies ein nur Gott zukommender, ihm eigener Titel ist. Obwohl Gott viele ihm eigene Titel hat, wie zum Beispiel ewig, unendlich, unermesslich usw., ist es an dieser Stelle doch der passendste, dass er allmächtig ist. So fällt es uns leicht zu glauben, dass er den Himmel und die Erde aus nichts geschaffen hat, wie es ja in den folgenden Worten gesagt wird. Denn für den, der alles tun kann, was er will, und somit allmächtig ist, muss alles leicht sein. Wenn ihr mir jetzt aber sagen würdet, dass Gott ja nicht sterben und nicht sündigen kann und er so anscheinend nicht alles kann, würde ich euch folgendes antworten: Sterben und sündigen können ist kein Ausdruck von Macht, sondern von Ohnmacht. Bei einem überaus tapferen Soldaten, der alle besiegen kann und selbst von niemandem besiegt werden kann, setzt man doch nicht seine Stärke herab, indem man sagt, er könne nicht besiegt werden. Denn besiegt werden zu können ist keine Stärke, sondern eine Schwäche.

S: Was heißt „Schöpfer"?

L: Es bedeutet, dass Gott alle Dinge aus nichts gemacht hat und dass er allein sie auch wieder zu nichts machen kann. Wohl können die Engel und die Menschen wie auch die bösen Geister etwas machen oder vernichten. Aber sie können es nur aus einer Materie machen, die schon vorher vorhanden war. Ebenso können sie es nur zerstören, indem sie es in etwas anderes verwandeln. Es ist wie bei einem Maurer, der ein Haus nicht aus nichts machen kann, sondern aus Steinen, Kalk und Holz, und es auch nicht zu nichts werden lassen kann, wenn er es niederreißt, sondern nur wieder zu Steinen, Staub, Holz und dergleichen. Darum heißt nur Gott Schöpfer und ist es, weil nur er keine Materie braucht, um die Dinge zu machen.

S: Warum sagt man „Schöpfer des Himmels und der Erde"? Hat Gott nicht auch die Luft, das Wasser, die Steine, die Bäume, die Menschen und alles übrige gemacht?

L: Unter Himmel und Erde versteht man hier auch alles, was im Himmel und auf Erden ist. Wenn jemand sagt, dass der Mensch Leib und Seele hat, meint er damit ja auch, dass er alles hat, was sich im Leib befindet, also Adern, Blut, Knochen, Nerven usw., sowie alles, was sich in der Seele befindet, wie Verstand, Willen, Gedächtnis, innere und äußere Sinne usw. Ebenso versteht man unter Himmel auch die Luft, die Vögel und alle Dinge, die noch weiter oben sind, dort, wo die Wolken und die Sterne sind - darum spricht man ja auch von den Vögeln des Himmels, den Wolken am Himmel, den Sternen am Himmel -, und schließlich die Engel. Unter Erde versteht man alles, was von der Luft umschlossen ist wie das Wasser des Meeres und der Flüsse, die in den niedrigeren Teilen der Erde gelegen sind, und auch alle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle und alles übrige, was sich in der Erde oder im Meer befindet. Man spricht also von „Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde", weil dies die beiden Hauptteile der Welt sind, ein oberer, in dem die Engel, und ein unterer, in dem die Menschen wohnen. Dies sind nämlich die beiden Geschöpfe, die edler als alle anderen sind und denen alle anderen dienen, so wie die beiden wiederum die Pflicht haben, Gott zu dienen, der sie aus nichts geschaffen und ihnen eine so hohe Würde verliehen hat.

 

Erklärung des zweiten Artikels

S: Erklären Sie mir jetzt bitte den zweiten Artikel. Was heißt „und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn"?

L: Gott, der Allmächtige, von dem wir im ersten Artikel gesprochen haben, hat einen wahren Sohn, der seiner Natur entstammt und Jesus Christus heißt. Damit ihr aber einigermaßen versteht, wie Gott diesen Sohn gezeugt hat, nehmt den Vergleich mit dem Spiegel. Wenn jemand sich in einem Spiegel anschaut, bringt er im gleichen Moment ein Bild von sich selbst hervor, das ihm selbst so ähnlich ist, dass man überhaupt keinen Unterschied feststellen kann, weil es nicht nur im Aussehen, sondern auch in der Bewegung ähnlich ist, so dass sich, wenn der Mensch sich bewegt, auch das Bild bewegt. Und dieses Bild wird nicht mit Mühe, mit Zeitaufwand oder mit einem Werkzeug erzeugt, sondern sofort und durch einen einzigen Blick. So also habt ihr euch zu denken, dass Gott sich selbst mit dem Auge des Verstandes im Spiegel seiner Gottheit anschaut und dabei ein ihm selbst vollkommen gleiches Bild erzeugt. Weil Gott diesem seinem Bild aber sein ganzes Wesen und sein ganzes Sein gegeben hat, wozu wir, wenn wir uns im Spiegel anschauen, nicht in der Lage sind, ist dieses Bild der wahre Sohn Gottes, während unsere Bilder, die wir in den Spiegeln sehen, nicht unsere Kinder sind. Daran müsst ihr begreifen, dass der Sohn Gottes wie der Vater Gott ist und ein und derselbe Gott mit dem Vater, weil er dasselbe Wesen wie der Vater hat. Weiterhin müsst ihr verstehen, dass der Sohn Gottes nicht jünger ist als der Vater, sondern immer war, so wie der Vater immer war, weil er allein dadurch gezeugt wurde, dass Gott sich selbst anschaut, und Gott schaute sich selbst von Ewigkeit her an. Schließlich müsst ihr begreifen, dass der Sohn Gottes nicht mit der Hilfe einer Frau, in einer bestimmten Zeitdauer, unter niedriger fleischlicher Begierde oder unter anderen Unvollkommenheiten gezeugt wurde, weil er wie gesagt allein vom Vater durch den einfachen Blick auf sich selbst vom allerreinsten Auge des göttlichen Verstandes gezeugt wurde.

S: Warum wird dieser Sohn Jesus Christus genannt?

L: Der Name Jesus bedeutet Heiland und Christus (also sein Beiname) bedeutet Hoherpriester und König aller Könige, weil, wie ich euch bei der Erklärung des Kreuzzeichens sagte, der Sohn Gottes Mensch wurde, um uns mit seinem Blut loszukaufen und uns zum ewigen Heil zu führen. Und so nahm er, als er Mensch wurde, diesen Namen „Heiland" an, um zu zeigen, dass er gekommen ist, um uns zu retten, und er wurde vom Vater mit dem Titel des höchsten Priesters und des obersten Königs geehrt. Dies beides bedeutet der Name Christus, und nach ihm heißen wir Christen.

S: Aus welchem Grund nehmen alle den Hut ab oder verneigen sich, wenn der Name Jesus genannt wird, was bei den anderen Namen Gottes nicht geschieht?

L: Der Grund ist, dass dies der Eigenname des Sohnes Gottes ist, alle anderen Namen aber gemeinsam sind. Außerdem weil dieser Name uns vor Augen führt, wie Gott sich für uns erniedrigt hat, indem er Mensch geworden ist. Darum verneigen wir uns aus Dankbarkeit vor ihm. Doch nicht nur wir Menschen, sondern auch die Engel des Himmels und die Dämonen der Hölle verneigen sich vor diesem Namen, die einen aus Liebe, die anderen gezwungen. Denn Gott wollte, dass alle vernunftbegabten Geschöpfe*sich vor seinem Sohn verneigen, weil dieser sich aus Liebe zu uns erniedrigt hat bis zum Tod am Kreuz.

S: Warum wird gesagt, dass Jesus Christus unser Herr ist?

L: Weil er uns gemeinsam mit dem Vater erschaffen hat, ist er unser Gebieter und Herr ebenso wie der Vater. Darüber hinaus hat er uns noch mit seiner Mühsal und seinen Leiden aus der Gefangenschaft des Teufels befreit hat, wie wir gleich erläutern werden.

 

Erklärung des dritten Artikels

S: Der Reihenfolge nach erklären Sie mir jetzt den dritten Artikel. Was bedeutet: „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria"?

L: In diesem Artikel wird die neue und wunderbare Weise der Fleischwerdung des Sohnes Gottes erklärt. Ihr wisst, dass alle anderen Menschen von Vater und Mutter ihre Geburt haben und dass die Mutter nach der Empfängnis und der Geburt des Kindes nicht mehr Jungfrau ist. Nun wollte der Sohn Gottes, als er beschloss Mensch zu werden, keinen irdischen Vater haben, sondern nur eine Mutter mit Namen Maria. Sie war und blieb allezeit eine ganz reine Jungfrau, weil der Heilige Geist, der die dritte göttliche Person ist und mit dem Vater und dem Sohn ein und derselbe Gott ist, mit seiner unendlichen Macht aus dem allerreinsten Blut dieser Jungfrau in ihrem Schoß den Leib eines ganz vollkommenen Kindes und gleichzeitig eine ganz edle Seele formte und diese mit dem Leib dieses Kindes verband. Das Ganze verband der Sohn Gottes mit seiner Person. So fing Jesus Christus, der zuvor nur Gott war, an, Gott und Mensch zugleich zu sein, und wie er als Gott einen Vater, aber keine Mutter hat, so hat er als Mensch eine Mutter, aber keinen Vater.

S: Ich möchte gern ein Beispiel oder einen Vergleich, um zu verstehen, wie eine Jungfrau empfangen kann.

L: Die Geheimnisse Gottes muss man glauben, auch wenn man sie nicht versteht. Denn Gott kann mehr tun, als wir begreifen können. Darum sagt man ja am Beginn des Glaubensbekenntnisses, dass Gott allmächtig ist. Dennoch gibt es ein schönes Gleichnis für die jungfräuliche Empfängnis, und zwar bei der Erschaffung der Welt. Ihr wisst, dass die Erde normalerweise kein Getreide hervorbringt, wenn sie nicht zuvor gepflügt, besät, mit Regen benetzt und von der Sonne erwärmt worden ist. Am Anfang hingegen, als zum ersten Mal Korn gewachsen ist, da war die Erde nicht gepflügt, besät, befeuchtet und erwärmt. So war sie in ihrer Art vollkommen jungfräulich. Damals brachte sie auf das bloße Geheiß Gottes, des Allmächtigen, durch die Kraft Gottes in einem Augenblick das Getreide hervor.5 Ebenso brachte der jungfräuliche Schoß Mariens, ohne dass sie mit einem Mann Umgang gehabt hätte, auf bloßen Geheiß Gottes durch das Wirken des Heiligen Geistes jenes kostbare Weizenkorn des beseelten Leibes des Sohnes Gottes hervor.

S: Wenn Jesus Christus durch den Heiligen Geist empfangen ist, dann kann man doch anscheinend sagen, dass der Heilige Geist für ihn als Mensch der Vater ist?

L: So ist es nicht, denn um Vater zu sein reicht es nicht, etwas zu machen, sondern man muss es auch aus dem eigenen Wesen machen. Deshalb nennen wir den Maurer auch nicht den Vater des Hauses, weil er es aus Ziegelsteinen und nicht aus seinem eigenen Fleisch macht. Nun hat der Heilige Geist zwar den Leib des Sohnes Gottes gemacht, aber er hat ihn aus dem Fleisch der Jungfrau gemacht und nicht aus seinem eigenen Wesen. Deshalb ist der Sohn Gottes nicht der Sohn des Heiligen Geistes, sondern als Gott der Sohn Gottes, des Vaters, weil er von ihm die Gottheit hat, und als Mensch der Sohn der Jungfrau, weil er von ihr das menschliche Fleisch hat.

S: Warum sagt man, dass der Heilige Geist dieses Werk der Fleischwerdung vollbracht hat? Haben daran nicht auch der Vater und der Sohn mitgewirkt?

L: Was eine göttliche Person wirkt, das wirken auch zugleich die beiden anderen, weil sie dieselbe Macht, Weisheit und Güte haben. Dennoch werden die Taten der Macht dem Vater zugeschrieben, die der Weisheit dem Sohn und die der Liebe dem Heiligen Geist. Weil aber die Fleischwerdung das Werk der höchsten Liebe Gottes zum Menschengeschlecht war, wird es dem Heiligen Geist zugeschrieben.

S: Ich möchte gern ein Gleichnis, um zu verstehen, wie alle drei göttlichen Personen bei der Fleischwerdung zusammengewirkt haben und dennoch nur der Sohn allein Fleisch und Mensch geworden ist.

L: Wenn ein Mensch ein Gewand anlegt und zwei andere ihm beim Ankleiden behilflich sind, dann sind es drei, die beim Ankleiden zusammenwirken, und doch wird nur einer angekleidet. Ebenso haben alle drei göttlichen Personen bei der Fleischwerdung des Sohnes zusammengewirkt, aber nur der Sohn ist Fleisch und Mensch geworden.

S: Warum ist in diesem Artikel hinzugefügt „geboren von der Jungfrau Maria"?

L: Weil sich auch hierin etwas nie Dagewesenes ereignete, dass nämlich der Sohn Gottes am Ende des neunten Monats aus dem Schoß der Jungfrau Maria ohne Schmerzen und Schaden der Mutter hervorkam und kein Anzeichen seines Hervorgangs hinterließ, so wie er es machte, als er auferstanden aus dem versiegelten Grab hervorkam und als er dann in den Abendmahlssaal, wo sich seine Jünger befanden, bei geschlossenen Türen eintrat und wieder hinausging. Deshalb sagt man, dass die Mutter unseres Herrn Jesus Christus allezeit Jungfrau war, vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt.

 

Erklärung des vierten Artikels

S: Was bedeutet das, was im vierten Artikel folgt: „gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben"?

L: Dieser Artikel enthält das überaus heilbringende Geheimnis unserer Erlösung. Kurz zusammengefasst besteht es darin: Christus hat etwa 33 Jahre auf dieser Erde geweilt und durch sein ganz heiliges Leben, durch seine Lehre und durch Wunder den Weg des Heils gelehrt. Dann ließ ihn Pontius Pilatus, der Herrscher über Judäa, zu Unrecht geißeln und an ein Kreuz nageln. An diesem Kreuz starb er. Dann wurde er von einigen frommen Menschen begraben.

S: Bei diesem Geheimnis kommen mir einige Fragen. Ich möchte sie gern von Ihnen geklärt haben, damit ich Gott um so dankbarer bin für eine solche große Wohltat, je mehr ich sie verstehe. So sagen Sie mir bitte, wenn Christus der Sohn des allmächtigen Gottes ist, warum wurde er dann nicht von seinem Vater aus der Hand des Pilatus befreit, ja, wenn Christus selbst Gott ist, warum befreite er sich dann nicht selbst?

L: Wenn Christus es gewollt hätte, hätte er sich auf tausenderlei Arten aus der Hand des Pilatus befreien können, ja die ganze Welt wäre nicht in der Lage gewesen, ihm irgendein Leid zuzufügen, wenn er es nicht selbst gewollt hätte. Das kann man klar an folgendem erkennen: Er wusste und sagte es seinen Jüngern auch vorher, dass ihn die Juden suchen würden, um ihn zu töten, und dass sie ihn geißeln, verhöhnen und schließlich umbringen würden. Dennoch versteckte er sich nicht, sondern ging seinen Feinden sogar entgegen. Und als sie ihn ergreifen wollten, ihn aber nicht erkannten, sagte er selbst, dass er der sei, den sie suchten, und im gleichen Moment, als sie alle wie tot zu Boden gefallen waren, lief er nicht davon, wie er gekonnt hätte, sondern wartete, dass sie wieder zu sich kämen und sich aufrichteten. Dann ließ er sich festnehmen, fesseln und wie ein sanftes Lamm wegführen, wohin sie wollten.

S: Aus welchem Grund ließ sich Christus unschuldig kreuzigen und umbringen?

L: Aus vielen Gründen, hauptsächlich jedoch, um Gott für die Sünden der ganzen Welt Genugtuung zu leisten. Denn ihr müsst wissen, dass die Beleidigung sich nach der Würde dessen bemisst, der beleidigt wurde, die Genugtuung dagegen nach der Würde dessen, der sie erbringt. Wenn also zum Beispiel ein Diener einem Fürsten eine Ohrfeige gäbe, würde man das entsprechend der Größe des Fürsten für ein sehr schweres Vergehen halten. Wenn dagegen der Fürst dem Diener eine Ohrfeige gäbe, würde er entsprechend des niedrigen Standes des Dieners nur etwas Unbedeutendes tun. Oder andersherum: Wenn ein Diener vor dem Fürsten seinen Hut zieht, hat das keine große Bedeutung. Wenn aber der Fürst ihn vor dem Diener zieht, wird er ihm damit entsprechend der erwähnten Regel eine bemerkenswerte Gunst erweisen. Weil nun der erste Mensch und mit ihm wir alle Gott beleidigt haben, der eine unendliche Würde besitzt, verlangte die zugefügte Beleidigung eine unendliche Genugtuung. Aber es gab weder einen Menschen noch einen Engel mit einer so großen Würde. Darum kam der Sohn Gottes, der Gott ist und damit von unendlicher Würde, nahm sterbliches Fleisch an und unterwarf sich in diesem Fleisch zur Ehre Gottes dem Tod am Kreuz. So leistete er mit seiner Strafe für unsere Schulden eine vollständige Genugtuung.

S: Was ist der andere Grund, warum Christus einen so bitteren Tod erleiden wollte?

L: Um uns durch sein Vorbild die Tugenden der Geduld, der Demut, des Gehorsams und der Liebe zu lehren. Diese vier Tugenden sind nämlich mit den vier Enden des Kreuzes ausgedrückt. Denn man kann keine größere Geduld finden, als dass jemand zu Unrecht einen so schändlichen Tod erleidet; keine größere Demut, als dass der Herr aller Herren sich dem unterwarf, inmitten von Räubern gekreuzigt zu werden; keinen größeren Gehorsam, als lieber zu sterben statt den Befehl des Vaters nicht zu erfüllen; und keine größere Liebe, als sein Leben hinzugeben, um sogar die Feinde zu retten. Ihr müsst nämlich wissen, dass sich die Liebe eher in Werken als in Worten und eher durch Leiden als durch Taten zeigt. So hat Christus, indem er uns nicht nur unendliche Wohltaten erweisen wollte, sondern für uns auch leiden und sterben wollte, gezeigt, dass er uns über alle Maßen liebt.

S: Wenn Christus Gott und Mensch ist, wie Sie bereits gesagt haben, und wenn Gott offensichtlich nicht leiden und sterben kann, wieso sagen wir dann hier, dass er gelitten hat und gestorben ist?

L: Genau dadurch, dass Christus Gott und Mensch ist, kann er zugleich leiden und nicht leiden, sterben und nicht sterben. Insofern er Gott ist, konnte er weder leiden noch sterben. Insofern er aber Mensch ist, konnte er leide und sterben. Deshalb habe ich euch gesagt, dass er, der Gott war, Mensch geworden ist, um für unsere Sünden Genugtuung zu leisten, indem er an seinem allerheiligsten Fleisch die Strafe des Todes erduldet hat. Das hätte er nicht tun können, wenn er nicht Mensch geworden wäre.

S: Wenn Christus dem Vater für die Sünden aller Menschen Genugtuung geleistet hat, wie kommt es dann, dass so viele Menschen verdammt werde und dass auch wir selbst für unsere Sünden Buße tun müssen?

L: Christus hat für alle Sünden aller Menschen Genugtuung geleistet. Dies Genugtuung muss jedoch im einzelnen diesem oder jenem zugewendet werden. Dies geschieht durch den Glauben, die Sakramente, die guten Werke und besonders durch die Buße. Aus diesem Grund muss man also Buße tun und gute Werke verrichten, obwohl Christus für uns gelitten und gewirkt hat. Aus diesem Grund gehen auch viele verloren und bleiben Feinde Gottes, weil sie entweder wie die Juden, Türken und Häretiker den Glauben nicht annehmen wollen oder weil sie die Sakramente nicht empfange wollen wie diejenigen, die sich nicht taufen lassen oder beichten wollen oder weil sie nicht für ihre Sünden Buße tun wollen, wie es angemessen ist, und sich nicht dazu entschließen wollen, dem Gesetz Gottes entsprechend zu leben.

S: Um das zu verstehen, möchte ich gern ein Gleichnis.

L: Stellt euch jemanden vor, der sich gewaltig abmühen würde und der unter großer Anstrengung im Schweiße seines Angesichts so viel Geld verdienen würde, dass es reicht, die gesamten Schulden dieser Stadt zu begleichen. Dieses Geld würde er nun auf die Bank geben, damit es all jenen gegeben würde, die einen Gutschein von ihm vorweisen könnten. Dieser Mann hatte damit von seiner Seite aus gewiss für alle die Schulden beglichen. Dennoch könnte es geschehen, dass viele trotzdem verschuldet bleiben, weil sie aus Stolz, aus Faulheit oder aus einem anderen Grund den Gutschein nicht erbitten wollen und ihn nicht zur Bank bringen wollen, um das Geld zu erhalten.

 

Aktuelle Fortsetzung

 

Erklärung des fünften Artikels

S: Der fünfte Artikel lautet: „hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten". Um ihn zu verstehen, möchte ich gern wissen: Was ist mit diesem Ort „Reich des Todes" (Unterwelt) gemeint?

L: Die Unterwelt ist der tiefste und am weitesten unten gelegene Ort, den es auf der Welt gibt, nämlich der Mittelpunkt der Erde. Deshalb stellt die Schrift an vielen Stellen den Himmel als den höchsten Punkt der Unterwelt als dem tiefsten gegenüber. In dieser Tiefe der Erde gibt es aber vier Teile6, die wie gewaltige Höhlen sind. Eine für die Verdammten, das ist die tiefste von allen. Und so ist es ganz passend, dass die stolzen Dämonen und ihre Anhänger unter den Menschen sich am tiefsten Punkt befinden, dem am weitesten vom Paradies entfernten Ort, den es überhaupt gibt. In der zweiten Höhle, die etwas höher gelegen ist, befinden sich die Seelen, die die Strafen des Fegfeuers erleiden. In der dritten, die noch etwas höher gelegen ist, befinden sich die Seelen der Kinder, die ohne Taufe gestorben sind; sie erdulden keine Feuerqualen, sondern nur den immerwährenden Ausschluss von der ewigen Seligkeit. In der vierten, der höchsten von allen, befanden sich die Seelen der Patriarchen, Propheten und anderer Heiliger, die vor dem Kommen Christi gestorben waren. Denn obwohl diese heiligen Seelen keiner Reinigung bedurften, konnten sie doch nicht in die ewige Seligkeit eingehen, bevor nicht Christus durch seinen Tod das Tor zum ewigen Leben geöffnet hatte. Deshalb befanden sie sich an diesem am höchsten gelegenen Ort, Limbus der heiligen Väter oder Schoß Abrahams genannt, wo sie keinerlei Strafe erduldeten, ja eine süße Ruhe genossen, während sie mit großer Freude das Kommen des Herrn erwarteten. Daher lesen wir im Evangelium, dass die Seele des heiligen Bettlers Lazarus von den Engeln zur Ruhe in Abrahams Schoß getragen wurde, wo sie vom reichen Prasser gesehen wurde. Während dieser in den Flammen der Hölle brannte, blickte er empor und sah Lazarus an einem sehr viel höher gelegenen Ort, wo er sich in großer Freude und Trost befand und den Lohn für seine Geduld genoss.7

S: In welchen dieser vier Teile der Unterwelt stieg Christus nach seinem Tod hinab?

L: Ohne Zweifel stieg er in den Limbus der heiligen Väter hinab, machte sie augenblicklich selig und führte sie dann auch mit sich ins Himmelreich. Er zeigte sich auch in allen anderen Teilen der Unterwelt. Dabei setzte er als feierlich einziehender Sieger die Dämonen in Schrecken, drohte als oberster Richter den Verdammten und tröstete als Fürsprecher und Befreier die Seelen im Fegfeuer. Christus stieg so in die Unterwelt hinab, wie ein König manchmal in die Kerker hinabzusteigen pflegt, um sie zu besichtigen und um zu begnadigen, wen er will.

S: Wenn Christus schon tot war und sein Leib im Grab ruhte, dann ist doch nicht der ganze Christus in die Unterwelt hinabgestiegen, sondern nur die Seele Christi. Wie kann man dann sagen, dass Christus in die Unterwelt hinabgestiegen ist?

L: Der Tod hatte wohl die Macht, die Seele Christi von seinem Leib zu trennen, doch er konnte weder die Seele noch den Leib von der göttlichen Person Christi trennen. Deshalb glauben wir, dass die göttliche Person Christi sich mit dem Leib im Grab befand und dieselbe göttliche Person mit der Seele zur Unterwelt abstieg.

S: Wie kann man aufzeigen, dass der Herr am dritten Tage vom Tod erstand, wenn doch zwischen dem Freitagabend, als Christus begraben wurde, und der Nacht vor dem Sonntag, als er auferstand, nicht einmal zwei ganze Tage  lagen?

L: Wir sagen nicht, dass Christus nach drei ganzen Tagen auferstand, sondern am dritten Tag. Das ist auch vollkommen richtig, weil er am Freitag im Grab lag, (das ist der erste Tag, wenn auch kein ganzer), und den ganzen Samstag, also dem zweiten Tag, und einen Teil des Sonntags, also den dritten Tag, weil die natürlichen Tage am Vorabend beginnen, wenn unsere Uhren 18 Uhr geschlagen haben.

S: Aus welchem Grund erstand Christus nicht unmittelbar nach dem Tod, sondern wollte drei Tage warten?

L: Weil er zeigen wollte, dass er wirklich tot war. Er wollte so lange im Grabe bleiben, wie nötig war, um diese Wahrheit zu beweisen. Auch möcht ich, dass ihr bedenkt, dass Christus, wie er 33 oder 34 Jahre unter den Menschen lebte, so auch wenigstens 33 oder 34 Stunden unter den Verstorbenen weilen wollte, was tatsächlich so viel ergibt, wenn Ihr 7 Stunden des Freitags (weil er am Freitag um 17 Uhr begraben wurde), 24 Stunden des Samstags und 2 oder 3 Stunden des Sonntags zusammenzählt, weil Christus nach Mitternacht auferstand, beim Anbruch der Morgendämmerung. 8

S: Was bedeutet es, dass man von Christus sagt, er sei auferstanden, und von den anderen Toten wie Lazarus und dem Sohn der Witwe aber, sie seien auferweckt worden?

L: Der Grund ist, dass Christus, da er der Sohn Gottes ist, von sich aus auferstand, d.h. kraft seiner Gottheit die Seele wieder mit dem Leib vereint hat und so von neuem zu leben begann. Die anderen Toten dagegen können nicht aus eigener Kraft ins Leben zurückkehren. Deshalb sagt man, dass sie von anderen auferweckt wurden, so wie wir einst alle am Tag des Gerichts durch Christus auferweckt werden.

S: Gibt es noch einen anderen Unterschied zwischen der Auferstehung Christi und der der anderen, die vor ihm zum Leben zurückkehrten?

L: Es gibt den Unterschied, dass die anderen als Sterbliche auferstanden sind und deshalb noch ein zweites Mal gestorben sind. Christus dagegen war nach der Auferstehung unsterblich und kann niemals mehr sterben.9

 

Fortsetzung folgt!

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

 

Gebet zu Beginn der Unterrichtsstunde in der christlichen Lehre

Zum Schluss.

 

Das Ziel des Christen und das heilige Kreuzzeichen

Erklärung des Glaubensbekenntnisses

Erklärung des Vater Unser und des „Gegrüßet seist du, Maria"

 

Die Gebote Gottes

Die Kirchengebote und die Räte

Die Sakramente

Die göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden

Die Gaben des Heiligen Geistes

Die Werke der Barmherzigkeit

Die Sünden

Die vier letzten Dinge und der Rosenkranz

Tugendakte

Akt des Glaubens

Akt der Hoffnung

Akt der Liebe

Akt der Reue

Unterricht

Für den, der gefirmt werden soll, und was er dafür wissen soll

Unterricht über die Sakramente

Die Beichte

Die Eucharistie

 

Ausführlichere Erklärung der christlichen Lehre

Kapitel I: Was die christliche Lehre ist und welche Hauptstücke sie hat

Kapitel II: Erklärung des Kreuzzeichens

Kapitel III: Erklärung des Glaubensbekenntnisses:

Erklärung des ersten Artikels

Erklärung des zweiten Artikels

Erklärung des dritten Artikels

Erklärung des vierten Artikels

Erklärung des fünften Artikels

 

 

 

 

 

 

 

Erklärung des sechsten Artikels 

Erklärung des siebten Artikels

Erklärung des achten Artikels 

Erklärung des neunten Artikels 

Erklärung des zehnten Artikels

Erklärung des elf ten Artikels

Erklärung des zwölf ten Artikels

Kapitel IV: Erklärung des Vater Unser (Gebet des Herrn)

Kapitel V: Erklärung des „Gegrüßet seist du, Maria (Ave Maria)"

Kapitel VI: Erklärung der zehn Gebote Gottes

Erklärung des ersten Gebots

Erklärung der zweiten Gebots

Erklärung des dritten Gebots

Erklärung des vierten Gebots.

Erklärung des fünf ten Gebots

Erklärung des sechsten Gebots

Erklärung des siebten Gebots

Erklärung des achten Gebots

Erklärung des neunten Gebots

Erklärung des zehnten Gebots

Kapitel VII: Erklärung der Kirchengebote

Kapitel VIII: Erklärung der evangelischen Räte

Kapitel IX: Erklärung der Sakramente der heiligen Kirche

Die Firmung

Die Eucharistie

Die Buße

Die Letzte Ölung

Die Weihe

Die Ehe

Kapitel X: Die Tugenden im allgemeinen

Kapitel XI: Die göttlichen Tugenden

Kapitel XII: Die Kardinaltugenden

Kapitel XIII: Die sieben Gaben des Heiligen Geistes

Kapitel XIV: Die acht Seligpreisungen

Kapitel XV: Die sieben leiblichen

und die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit

Kapitel XVI: Die Laster und die Sünden im allgemeinen

Kapitel XVII: Die Erbsünde

Kapitel XVIII: Die Todsünde und die lässliche Sünde

Kapitel XIX: Die sieben Hauptsünden

Kapitel XX: Die Sünden gegen den Heiligen Geist

Kapitel XXI: Die himmelschreienden Sünden

Kapitel XXII: Die vier letzten Dinge

Anmerkungen

Erläuterung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses

Vorwort

Artikel I

Artikel II

Artikel III

Artikel IV

Artikel V

Artikel VI

Artikel VII

Artikel VIII

Artikel IX

Artikel X

Artikel XI

Artikel XII

Auslegung des Vater Unser

Die herausragende Bedeutung des Vater Unser

Zahl und Anordnung der Bitten des Vater Unser

Auslegung des Vater Unser

VORWORT. „Vater unser, der du bist im Himmel"

ERSTE BITTE. „Geheiligt werde dein Name"

ZWEITE BITTE. „Dein Reich komme"

DRITTE BITTE. „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden"

VIERTE BITTE. „Unser tägliches Brot gib uns heute"

FÜNFTE BITTE. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"

SECHSTE BITTE. „Und führe uns nicht in Versuchung"

SIEBTE BITTE. „Sondern erlöse uns von dem Bösen"